Die Mobilisierung von Kapital für nachhaltige Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent erfordert neue Ansätze in Bezug auf Risiko, Rendite und die Zusammenarbeit innerhalb der Finanzökosysteme. Alain Nsiona Defise, Gründer von Nsiona Impact Ltd., geboren in Kinshasa, Demokratische Republik Kongo, schöpft aus seinen afrikanischen Wurzeln und seiner über zwanzigjährigen Erfahrung in Europa im Management von Unternehmensanleihen in Schwellenländern. Er erläutert, warum lokale Lösungen, langfristige Präsenz und die Zusammenarbeit innerhalb der Finanzökosysteme entscheidend sind, um Kapital für Afrika freizusetzen.

Sie haben kürzlich an der AVPA-Konferenz in Nairobi teilgenommen. Wie war die Erfahrung, und was hat Sie am meisten beeindruckt?

Ich ging mit einer sehr offenen Einstellung an die Konferenz heran, da sie außerhalb meines üblichen Horizonts lag und sich wie eine persönliche Entdeckungsreise anfühlte. Ich war sehr froh, teilnehmen zu können; die Erfahrung war ungemein bereichernd. Die Teilnahme als Teil einer Delegation machte einen großen Unterschied, sowohl hinsichtlich der Sichtbarkeit als auch der Qualität der in kurzer Zeit geknüpften Kontakte, einschließlich starker Bindungen innerhalb der Gruppe selbst. Die Konferenz bot eine ausgewogene Mischung aus Podiumsdiskussionen, Debatten, Rahmenveranstaltungen und Exkursionen, die dazu beitrugen, die Diskussionen im lokalen Kontext zu verankern und durch gemeinsame Erfahrungen auf dem Kontinent eine starke menschliche Dimension hinzuzufügen. Insgesamt war es ein sehr umfassendes Erlebnis voller Entdeckungen.

What stood out most to me connects closely to my professional background. Working in a field that is currently facing significant headwinds, it was striking to see a growing recognition that Africa will not ODA itself to prosperity. Conversations were notably pragmatic, with a shared understanding that the status quo is no longer sufficient. I was particularly impressed by local initiatives, such as sessions on domestic financial markets and efforts to mobilise local capital through pension funds. These connections extended beyond the conference, leading me to attend and speak at Ghana Digital & Innovation Week shortly after. Finally, the ambition of projects like the Kenyan Energy Compact showcased by the Kenyan Ministry of Energy and UN Kenya, stood out, as did the continuity created through repeated engagement via the Building Bridges platform, from Geneva in October to Nairobi a month later.

Welche zentralen Erkenntnisse haben Sie aus diesem Austausch gewonnen, insbesondere im Hinblick auf Investitionen und deren Wirkung in Afrika?

Für mich liegt die zentrale Erkenntnis darin, dass Investitionen und deren Wirkung in Afrika aus einer lokalen Perspektive betrachtet werden müssen. Aus europäischer Sicht unterschätzt man leicht das vor Ort vorhandene Aktivitäts- und Dynamikpotenzial. Anstatt lokale Bemühungen zu ersetzen, sollte der Fokus darauf liegen, die bestehenden Strukturen zu ergänzen und zu stärken.

This goes beyond simply allocating capital. At Nsiona Impact Ltd., we prioritise working alongside local initiatives and amplifying existing ecosystems, which I believe can bring a lot of success in the future. Practically for me, this means being more present on the continent and actively building bridges. Local actors are not always fully aware of the opportunities available to them internationally, so visibility and connectivity need to work in both directions.

Ausgehend von meiner über 20-jährigen Erfahrung in der Analyse von Schwellenländern sehe ich viele Bereiche, in denen Afrika sein Potenzial nicht ausschöpft. Viele der Herausforderungen, denen wir uns in Afrika gegenübersehen, wie beispielsweise Währungsschwankungen, sind nicht auf den Kontinent beschränkt, sondern treten auch in anderen Schwellenregionen auf, in denen internationale Investoren gerne investieren. Daher bietet sich für Afrika die Chance, sich als selbstbewusster und weltoffener Markt zu positionierenund gleichzeitig die lokalen Herausforderungen zu berücksichtigen.

Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen bei der effektiven Kapitallenkung nach Afrika?

Es gibt mehrere Herausforderungen. Einige sind objektiv und bekannt: Währungsschwankungen, politische Instabilität und Schwierigkeiten beim Ausstieg. All diese Faktoren sind auf dem Kontinent präsent. Ich denke jedoch, dass es zusätzlich eine Ebene der Risikowahrnehmung gibt, die oft unverhältnismäßig hoch ist. Investoren in Schwellenländern sollten mit Risiken vertraut sein, dennoch wird von Afrika häufig erwartet, dass sie allein aufgrund der Lage höhere Zinsen zahlen. Dies lässt sich sogar quantifizieren: Betrachtet man afrikanische Unternehmen, so zahlen diese mit einem B-Rating tendenziell 150 bis 200 Basispunkte mehr. Ich denke, die zentrale Herausforderung besteht darin, diese Wahrnehmungslücke zu schließen, insbesondere in einer Zeit, in der die Finanzierung von Entwicklungshilfe und anderen katalytischen Maßnahmen rückläufig ist. Dies erfordert einen Wandel der Herangehensweisen und Denkweisen.

Ein wichtiger Bereich ist die verstärkte Präsenz privater Akteure auf den internationalen Kapitalmärkten, insbesondere im Anleihensegment. Afrikanische Emittenten sind unterrepräsentiert. Afrika muss mutiger auftreten, auch bei größeren Transaktionen. Wir müssen Unternehmen mit breiterer, internationaler Präsenz und regionaler Reichweite einbinden, die zunehmend die Notwendigkeit erkennen, Zugang zu bestimmten Märkten zu erhalten.

Ich denke, ein weiterer notwendiger Wandel besteht darin, die Spaltung und die internen Vorurteile zwischen dem frankophonen und dem anglophonen Afrika zu überwinden. Sehr oft zeigt die Investitionswelt eine einseitige Voreingenommenheit, beeinflusst von der kulturellen oder historischen Dynamik zwischen Nord und Süd, und ich glaube, dass dies verschwinden muss.

How valuable has your engagement with the Building Bridges Foundation been so far, including your participation in our annual conference?

My engagement with Building Bridges started around summer 2025. It is unbelievable the number, quality and diversity of connections that Building Bridges has facilitated for me, for example with the SDG Impact Finance Initiative, AHL Venture Partners or the Private Infrastructure Development Group. These connections span many areas that are highly relevant to my work, including infrastructure, private debt, and on-the-ground deal sourcing. Much of this was made available very spontaneously, which speaks to the strength of the network.

Besonders wertvoll finde ich die Art und Weise, wie erste Kontakte geknüpft und weiterentwickelt werden, mit der Hoffnung, dass daraus konkrete Ergebnisse, beispielsweise Transaktionen, entstehen. Ich schätze auch die von Ihnen organisierten Veranstaltungen, die ein gutes Gleichgewicht zwischen dem Austausch innerhalb der Gruppe – wodurch wir uns kennenlernen können – und dem gemeinsamen Brainstorming bieten, sodass wir gemeinsam Lösungen erarbeiten, anstatt nur Kontakte zu knüpfen. Die fokussierteren Gespräche, die durch die von Africa Investment Community , sind von enormer Bedeutung. Ich schätze die Betonung des übergeordneten Ziels und den Aufbau sinnvoller Verbindungen sehr. Für mich manifestiert sich dieses Engagement sowohl in der Konferenz als auch in der Delegation – in Genf und auf dem afrikanischen Kontinent – ​​sowie in den kontinuierlichen Bemühungen, diese Verbindungen zu fördern.

Looking ahead, how would you like to see financial flows into Africa evolve, and what role could the Building Bridges Africa Investment Community play in this?

Ich denke über die Finanzströme nach Afrika nach und wünsche mir für die Zukunft ein Zusammenwirken internationaler und lokaler Kapitalflüsse. Es ist ermutigend, die Entstehung von auf Afrika fokussierten privaten Schuldenfonds zu beobachten, und ich freue mich auch über die Entwicklung lokaler Fonds. Wenn man die Abwicklung einer Transaktion betrachtet, ist es großartig zu sehen, wie lokale und internationale Akteure zusammenarbeiten. Für mich ist das die ideale Zukunftsvision.

Um dies zu erreichen, bedarf es eines weiterentwickelten und ambitionierteren lokalen Marktes, der bereit ist, Risiken für lokale Chancen einzugehen, sowie der Sichtbarkeit und des Engagements internationaler Akteure. Das ist für mich ein Erfolgsrezept, denn betrachtet man Kreditgeschichten in Schwellenländern, so führt ein ausgewogenes Verhältnis lokaler und internationaler Investoren langfristig zu mehr Stabilität und bietet Aufwärtspotenzial, da die Prämien sinken, sobald internationale Investoren Vertrauen in das Risiko gewinnen. Dieses Vertrauen resultiert aus der Stabilität, die von den lokalen Investoren geschaffen wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es geht nicht um Kapitalströme nach Afrika, sondern um Kapitalströme für Afrika.


Wir bauen Brücken – Erzählreihe

Building Bridges is more than just an event, it’s a space for meaningful collaboration, fresh perspectives, and lasting connections. Through our storytelling series, we highlight the personal experiences that shape each edition. If you have a story to share about your engagement with Building Bridges, whether it’s a key insight, a memorable moment, or the impact of the bridges built, we’d love to hear from you at community@buildingbridges.org.