Kapitalerschließung durch Zusammenarbeit in Afrika
Die Erschließung des Potenzials von Schwellenländern bietet weiterhin erhebliche Chancen für private Investoren. Allerdings gestaltet sich die Kapitalbeschaffung dort, wo sie am dringendsten benötigt wird, nach wie vor schwierig. Wir trafen Sandrine Henton von EG Capital und Vimal Shah, Mitgründer und Vorsitzender der Bidco Group, letztes Jahr in Nairobi im Rahmen des SDG-Investitionsgipfels „Bridging Africa-Europe“. In diesem Artikel möchten wir sie einladen, ihre Erfahrungen zu teilen und zu zeigen, wie Zusammenarbeit Kapital für die Region erschließt: durch die Vernetzung von Menschen und Kapital über Sektoren, Perspektiven und Grenzen hinweg.
Tell us a bit more about your history with Building Bridges and the relationships that have been built since you first connected with us?
Vimal: Building Bridges has been instrumental in connecting us with like-minded investors who share our vision for sustainable development in Africa. Also having a shared definition of SUSTAINABILITY helps. The relationships we’ve built through this network have been invaluable in driving forward our initiatives and addressing the continent’s most pressing challenges.
Sandrine: Since first engaging with Building Bridges, we have leveraged their platform to forge and deepen collaborations with Swiss family offices, foundations, and impact-driven organizations, strengthening our ties within the local philanthropy ecosystem.
Es wird viel darüber gesprochen, dass im Bereich der nachhaltigen Finanzierung weiterhin Kapital fließt, insbesondere für Afrika – Welche Anzeichen sehen Sie beide dafür, dass bestimmte Investoren ihren eingeschlagenen Kurs beibehalten?
Vimal: Wir erleben derzeit einen tiefgreifenden Wandel in der Investitionslandschaft. Investoren, die den langfristigen Wert und die Wirkung nachhaltiger Finanzierung verstehen, setzen konsequent auf diesen Kurs. Das Potenzial Afrikas ist enorm. Bei Bidco haben wir aus erster Hand erfahren, wie geduldiges Kapital transformative Veränderungen bewirken kann. Unsere Partnerschaften mit Investoren, die sich dem Wachstum Afrikas verschrieben haben, haben nicht nur bestehende Investitionen gesichert, sondern auch neue angestoßen. Dieses anhaltende Engagement beweist die Widerstandsfähigkeit und das Potenzial des afrikanischen Marktes, sobald Kapital und praktische Umsetzungskompetenz zusammentreffen.
Sandrine: Seitdem das ursprüngliche Konzept von EG Capital als eine der Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel ausgewählt und 2018 zusammen mit Nobelpreisträger Jacques Dubochet anlässlich des Starts von Project Drawdown an der International School of Geneva vorgestellt wurde, sehen wir, dass Schweizer Investoren bereits zuvor investiert haben und diese Schweizer Basis vor allem dank Family Offices wie der Schweizer Holding Regenerative , die sich dem Fonds bei seinem Anker-Closing angeschlossen haben, bestehen bleibt.
Wir verzeichnen auch ein wachsendes Interesse von neuen Schweizer Investoren aus dem öffentlichen und privaten Sektor, die sich ab 2025 an unserem Fonds beteiligen möchten. Dieser konzentriert sich auf Investitionen mit 100%iger Gender-Lens-Strategie in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Bildung und Klimaanpassung in Afrika. In den letzten Wochen hat sich eine sehr positive Dynamik entwickelt. Ich komme gerade von der AVCA-Konferenz (African Private Capital Association) in Lagos, Nigeria, wo ich ein Panel zum Thema „Familienvermögen als Motor für zehnfaches Wachstum in Afrika“ geleitet habe – und es ist beeindruckend, wie diese kleine, aber eng verbundene Gemeinschaft von Afrika-Investoren in dieser Zeit zusammenrückt. Trotz der schlechten Nachrichten, die uns erreichen, engagiert sich diese Gemeinschaft, sowohl Limited Partners (LPs) als auch General Partners (GPs), mit vollem Einsatz.
Ich freute mich besonders über die Teilnahme eines unserer bestehenden Ankerinvestoren, der Fundacion ANESVAD, sowie dreier Family Offices (neue Investoren), die gespannt darauf waren, mehr über Investitionen in Afrika zu erfahren. Unser Panel, dem unter anderem das TenGen Family Office und das TY Danjuma Family Office angehörten und das vom African Philanthropy Forum, erörterte die wachsende Rolle von Family Offices als Kapitalgeber und Direktinvestoren im afrikanischen Private-Equity-Ökosystem.
Alle sind sich einig, dass Zusammenarbeit unerlässlich ist, aber wie sieht das in der Praxis konkret aus – insbesondere wenn es darum geht, finanzielle, technische und lokale Expertise miteinander zu verbinden?
Vimal: Zusammenarbeit bedeutet, die jeweiligen Stärken und Fachkenntnisse zu nutzen, um vor Ort in Afrika, wo der Bedarf am größten ist, eine größere Wirkung zu erzielen. Bei Bidco arbeiten wir mit verschiedenen Akteuren zusammen, darunter Regierungen, NGOs und Unternehmen der Privatwirtschaft, um Projekte umzusetzen, die auf die Bedürfnisse vor Ort eingehen. Beispielsweise hat uns die Zusammenarbeit mit lokalen Landwirten ermöglicht, nachhaltige Rohstoffe zu sichern, die Landwirte wirtschaftlich zu stärken und gleichzeitig den ländlichen Gemeinden ein Auskommen zu sichern. Darüber hinaus haben wir durch die Zusammenarbeit mit Technologieanbietern innovative Lösungen eingeführt, die Effizienz und Produktivität steigern. Es geht darum, einen Synergieeffekt zu erzielen, bei dem jeder Partner zum gemeinsamen Erfolg beiträgt und davon profitiert.
Sandrine: Building Bridges events are vital for ecosystem connections. At the latest conference I met a UBS Optimus colleague who shared a model he had personally built for measuring investments’ deeper impact—reducing vulnerability and boosting climate-shock resilience. We’ve adopted this tool as our baseline for climate adaptation measurement and tied 50 % of our carried interest to resilience and gender-equity targets. Through this collaboration, EG Capital also joined UNEPFI’s community of practice for climate adaptation-metrics and the Global Alliance for Resilience Investments (GARI), unlocking new investment opportunities. We’re also developing a local-currency facility with support from existing investors and partners.
Ein weiterer Bereich, in dem die Zusammenarbeit seit dem Beitritt zu den von der Globalen Allianz gegen Armut und Hunger und der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) im Switzerland House in Davos initiierten Gesprächen intensiv war, ist die Ernährungssicherheit und die Ernährung von Kindern. Wir erproben kompakte Mehrkorn- und Vollkornsysteme für Sorghum, Hirse, Bohnen und Hülsenfrüchte, um die Abhängigkeit von importiertem Weizen und Mais zu verringern. Diese von der Rockefeller-Stiftung und der Fortified Wholegrain Alliance unterstützte Innovation verspricht skalierbare Lösungen für Schulmahlzeiten und die Ernährungsversorgung im ländlichen Raum.
Es herrscht Einigkeit darüber, dass lokale Investoren privatem Kapital gegenüber weiterhin skeptisch sind, oft aufgrund mangelnder Vertrautheit mit den Kapitalmärkten und deren unzureichender Versorgung. Was haben Sie anders gemacht, um Vertrauen aufzubauen und das Modell zu verändern – und wo beginnen sich diese Bemühungen auszuzahlen?
Vimal: Vertrauen bei lokalen Investoren aufzubauen, erfordert ein tiefes Verständnis ihrer Anliegen und Prioritäten. Bei Bidco konzentrieren wir uns auf transparente und für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaften, die auf Authentizität und Vertrauen auf Aktionärsebene basieren. Wir wissen, dass es Herausforderungen geben wird, werden diese aber gemeinsam bewältigen. Wir pflegen den Dialog mit Investoren durch regelmäßige Kommunikation, Austausch und ein offenes Gesprächsklima. Dabei präsentieren wir die konkreten Auswirkungen unserer Projekte und zeigen auf, woran wir arbeiten müssen, um globale Best Practices in Afrika zu etablieren. Durch unser Engagement für die lokale Entwicklung und die Erzielung beständiger Ergebnisse konnten wir Vertrauen aufbauen und die lokale Beteiligung an den privaten Kapitalmärkten fördern.
Sandrine: Lokale Unternehmen haben tatsächlich schlechte Erfahrungen mit ausländischem Kapital gemacht. Ausländische Investoren dominierten die frühen Märkte, verstanden den lokalen Kontext oft falsch und setzten auf offene Beteiligungsstrukturen mit erheblichen Exit-Risiken. Kenianische Pensionsfonds haben insbesondere Private-Equity-Märkte gemieden. Wir haben erlebt, wie kurzfristig orientierte Investoren kamen und gingen, ohne Wert zu schaffen. Wir haben einen anderen Weg eingeschlagen – wir konzentrieren uns auf Fremdkapitalprodukte und den Aufbau langfristiger Partnerschaften. Es geht um Aufklärung, Transparenz und Beständigkeit. Und Vertrauen muss erst aufgebaut werden. Das spürt man in den Gesprächen.
Aus unserer Sicht bei EG Capitalsind Family Offices Partner, die nicht nur auf Fondsebene, sondern auch auf Vermögensebene aktiv als operative Partner und strategische Langzeitinvestoren agieren. Menschen wie Vimal sind strategisch. Sie können dem Kontinent deutlich mehr ermöglichen. Wir haben außerdem erörtert, wie gemischte Finanzierungsstrukturen mit erstrangigen Verlustbeteiligungen und zweitrangigen Verlustgarantien die Mobilisierung von privatem Kapital fördern können, und freuen uns darauf, gemeinsam mit Investoren des öffentlichen Sektors und Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen (DFIs) Finanzmittel für Klimaanpassung und Geschlechtergerechtigkeit bereitzustellen.
Abschließend, was würden Sie denjenigen im Finanzwesen sagen, die sich in Bezug auf Anpassung und Gleichstellung untätig zeigen?
Vimal: Allen Zögernden möchte ich Folgendes sagen: Afrika ist und bleibt die letzte Grenze. Afrika wird eine bedeutende Rolle spielen, sobald die Menschen sein wahres Ausmaß erkennen. Die Zukunft gehört denen, die mutig genug sind, in kontinuierlichen Wandel zu investieren. Anpassung und Gerechtigkeit sind nicht nur moralische Gebote, sondern entscheidend für nachhaltiges Wachstum und Resilienz. Indem Sie in diese Bereiche investieren, tragen Sie nicht nur zu einer besseren Welt bei, sondern positionieren sich auch für langfristigen Erfolg. Nutzen Sie die Chance, Teil der Lösung zu werden. Ihre heutigen Investitionen prägen die Welt von morgen und bringen Ihnen langfristig exponentielle Renditen.
Sandrine: My message to the Building Bridges community is this: Go beyond your own interest or your own initiative. It’s not enough to tick a box or say you’re investing in priority areas. It’s how you do it: dare to broaden your own perspectives. Partner. Collaborate. Try to understand what’s really happening in local contexts. And trust. Trust what’s already working. That’s what delivers the real dividend.
Wir bauen Brücken – Erzählreihe
Building Bridges is more than just an event—it’s a space for meaningful collaboration, fresh perspectives, and lasting connections. Through our storytelling series, we highlight the personal experiences that shape each edition. If you have a story to share about your engagement with Building Bridges — whether it’s a key insight, a memorable moment, or the impact of the bridges built—we’d love to hear from you!
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