Schweizer Kohlenstoffmärkte: Von der Integrität des Gebäudes zur Finanzierung im großen Maßstab
Following Building Bridges 2025, we sat down with Anik Kohli, Partner at INFRAS and Board Member of the Zurich Carbon Market Association and Romain Leroy-Castillo, Director AI and Education at Swiss Sustainable Finance, to hear their thoughts about the momentum in Swiss carbon markets. This follows a number of major events on the topic this year including the Action Event at Building Bridges they co-organised, titled Investment Opportunities in Carbon Markets.
You’ve both been closely involved in Switzerland’s carbon market journey. What moments or insights from this year — from the August event with SSF, SIX and McKinsey to your session at Building Bridges — best capture how far the discussion has come?
Anik: Es war sehr ermutigend, den Fokus auf integre Kohlenstoffmärkte bei all diesen Veranstaltungen und Diskussionen zu sehen. Dieser Fokus ist entscheidend, um Reputationsrisiken zu vermeiden, die Kohlenstoffmärkte in der Vergangenheit beeinträchtigt haben. Finanzinstitute brauchen Vertrauen und Verlässlichkeit, ohne die kein Kapital fließt. Wir alle erinnern uns an die Skandale von 2022. Der Markt steht jetzt an einem Scheideweg, und es ist an der Zeit, sich am Pariser Abkommen neu auszurichten. Erstens stellen die bilateralen Schweizer Abkommen gemäß Art. 6.2 eine Verbesserung der Integrität gegenüber den eher schwachen Standards des freiwilligen Kohlenstoffmarktes (VCM) dar. Zweitens wurden die neuen UN-Regeln gemäß Art. 6.4 verabschiedet, die der Öffentlichkeit die lange vermisste Glaubwürdigkeit zurückgeben, dass Kohlenstoffmärkte mit strengen Regeln möglich sind. Alle internationalen Kohlenstoffmärkte müssen sich in Richtung Integrität bewegen, wenn wir ihr volles Potenzial ausschöpfen wollen. Integrität aufbauen, und Wachstum wird folgen – wie der Integritätsrat des VCM es formuliert.
What really stood out this year was how consistently that message came through. Every event, not just ours, placed integrity at the core of the discussion. Building Bridges made that possible by connecting innovators from the real economy with financiers and policymakers, creating a shared space where standards and market perspectives could meet. That interaction is what drives collective learning forward.
Romain: I completely agree. The scandals in 2022 did cost the voluntary carbon markets a couple of years : the discussion stalled and trust took a hit. But this year you can feel the dynamic returning. Two things really stood out to me. First, time is getting short to meet the first emission reduction targets by 2030. That urgency is sharpening attention and driving interest. The industry is showing up again, and all events we organised this year were full. Second, the scale of new technical solutions is impressive. Direct air capture and storage, for example, has seen an incredible wave of innovative solutions brought forward by companies of diverse sizes. At our events we showcased a few, and I would love to see an even broader representation of such technical solutions at events like Building Bridges going forward.
Die Verbindung zwischen Realwirtschaft und Finanzwesen ist jedoch weiterhin unzureichend. Finanzinstitutionen fehlt es noch an Verständnis für die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort. Ein intensiverer Austausch zwischen Ingenieuren, Projektentwicklern und Investoren würde dem gesamten Ökosystem zugutekommen. Integrität ist die Grundlage glaubwürdiger Kohlenstoffmärkte.
Können Sie Beispiele dafür nennen, wie Schweizer Akteure zusammenarbeiten, um dieses Vertrauen aufzubauen, sei es durch neue Standards, Datensysteme oder Partnerschaften?
Anik: Es handelt sich nicht nur um eine einzelne Initiative, sondern um ein ganzes Ökosystem. Im Vorstand der Zurich Carbon Market Association (ZCMA) engagieren sich zahlreiche Akteure intensiv für Integrität. Bei INFRAS beispielsweise sind wir im Integritätsrat für den freiwilligen Kohlenstoffmarkt vertreten. Andere im Netzwerk unterstützen die methodische Arbeit des Pariser Abkommens für den Kohlenstoffmarkt (PACM) und den Kapazitätsaufbau in den Gastländern. Auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) sind im Vorstand der ZCMA vertreten. Dies ermöglicht es Praktikern und politischen Entscheidungsträgern, sich direkt auszutauschen und voneinander zu lernen. Genau das war einer der Hauptgründe für die Gründung der ZCMA: diese Dialoge aktiv zu halten und zu vernetzen.
Romain: Vertrauen, Integrität und Glaubwürdigkeit stehen nach wie vor an erster Stelle. Die Governance hat sich deutlich verbessert, beispielsweise durch die Entwicklung der Core Carbon Principles, doch die Erinnerung an vergangene Fehler ist bei den meisten noch präsent. Denn Vertrauen muss schrittweise aufgebaut und mit der Zeit erworben werden. Deshalb ist ein ganzheitlicher Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette so wichtig. Man kann sich nicht allein auf eine Zertifizierung oder einen einzelnen Datenfeed verlassen. Vertrauen entsteht durch eine stabile Kette, in der viele Akteure zu Transparenz und Integrität beitragen. In der Schweiz haben wir das Glück, über ein komplettes Ökosystem von Marktteilnehmern zu verfügen – von Projektentwicklern über Normungsagenturen bis hin zu Monitoring- und Reporting-Lösungen, Börsen und Vermittlern.
Auf unserer und anderen Veranstaltungen konnten wir diese Übereinstimmung feststellen. Es ist ermutigend, übereinstimmende Botschaften zu hören, sei es aus der Industrie, dem Finanzsektor oder von internationalen Organisationen. Dies zeigt, dass das Schweizer Ökosystem in puncto Zusammenarbeit und Wissensaustausch bereits sehr weit fortgeschritten ist.
In welchem Zusammenhang steht das Geschehen in der Schweiz mit der breiteren globalen Debatte, insbesondere im Hinblick auf die COP30 und die Umsetzung von Artikel 6?
Anik: The Swiss government plays an active role internationally. It is negotiating bilateral agreements under Article 6.2 with countries such as Thailand and Peru and also contributes to the development of Article 6.4 rules. That means experts who are active in these global processes also participate in national discussions, like those at Building Bridges and ZCMA events. It is a direct link between international rule-making and local practice. At COP30, Switzerland can play a constructive role in ensuring integrity and credibility as forestry methodologies and other standards evolve.
Romain: Ja, die Schweiz mag klein sein, aber das Ökosystem ist, wie bereits erwähnt, bemerkenswert umfassend. Hier finden sich technologie- und naturbasierte Projektentwickler, Zertifizierungsexperten, Monitoring-Anbieter und Vermittler wie South Pole, die alle weltweit tätig sind. Hinzu kommen öffentliche Instrumente wie die KliK-Stiftung, die Klimaschutzprojekte im Ausland finanziert und deren Ergebnisse über die bereits erwähnten bilateralen Abkommen zurückführt. Die Schweiz trägt also aktiv dazu bei, die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen mit hoher Integrität zu gestalten.
Wenn wir uns nächstes Jahr wiedersehen, welche Fortschritte oder Durchbrüche möchten Sie in der Schweiz und darüber hinaus hervorheben?
Anik: I would love to see continued collaboration across platforms, ZCMA, SSF, Building Bridges and others. Over the past two years we have built real momentum. The next step is positioning Switzerland as a hub for high-integrity carbon markets and related financial products that channel capital towards credible outcomes.
Romain: Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr wieder eine steigende Nachfrage im freiwilligen Versicherungsmarkt verzeichnen werden, im Einklang mit den Zielen für 2030. Und ich wünsche mir, dass wir uns intensiver mit Lösungen, Risikomanagement und Geschäftsmöglichkeiten auseinandersetzen. Die Menschen wollen mehr über Investitionsmöglichkeiten erfahren. Wir müssen die Gespräche über Preisgestaltung, Reputations- und Finanzrisiken, Investitionskriterien und Echtzeit-Monitoring vertiefen. Und nicht zuletzt: Versicherbarkeit. Denn ohne Versicherung ist kein Wachstum möglich, und je mehr wir Versicherer bei der Entwicklung von Modellen für diesen Bereich unterstützen, desto schneller wird der Markt reifen.
Über ZCMA
Die Zurich CMA ist eine überparteiliche Mitgliederorganisation, die sich für die Entwicklung nachhaltigkeitsorientierter und qualitativ hochwertiger Kohlenstoffmärkte einsetzt. Ihre nächste Veranstaltung „Die 30. Klimakonferenz in Belém im Überblick“ findet am 11. Dezember 2025 statt (online oder persönlich im INFRAS-Büro in Zürich). Melden Sie sich jetzt an, um Eindrücke und Analysen der erzielten Fortschritte aus erster Hand von Verhandlungsführern und Beobachtern zu erhalten.
Über Swiss Sustainable Finance
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Wir bauen Brücken – Erzählreihe
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Bildnachweis: Antoine Tardy