Holcim schlägt die Brücke zwischen Kapital und Realwirtschaft
Im Anschluss an das Executive Lunch nach der Building Bridges-Konferenz in Genf setzten wir uns mit Antonio Carrillo, Vizepräsident für Nachhaltigkeit bei Holcim, zusammen, um seine Gedanken zur Rolle von Unternehmen beim Übergang zu nachhaltigen Finanzen zu hören.
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Holcim hat sich in den letzten Ausgaben von Building Bridges als Stimme der Realwirtschaft präsent gezeigt. Was empfanden Sie an diesem fortgesetzten Engagement als besonders wertvoll oder einzigartig?
Was mich von Anfang an beeindruckte, war die Bandbreite der Themen, mit denen wir uns auseinandersetzen konnten. Bei Building Bridges reichte die Bandbreite von Klimaschutz über Naturschutz bis hin zu nachhaltigen Finanzen – alles unter einem Dach. Diese Vielfalt ist ein Alleinstellungsmerkmal dieses Forums, und sein ganzheitlicher Ansatz ist unerlässlich. Building Bridges hilft uns, eine entscheidende Verbindung herzustellen: die zur Finanzwelt. In vielen globalen Foren fühlen sich Finanzakteure oft weit von den technischen Diskussionen entfernt. Building Bridges schafft es, diese Lücke zu schließen. Es bringt Kapitalmärkte und Realwirtschaft auf sehr praxisnahe Weise zusammen.
Gibt es ein Gespräch oder eine Erkenntnis aus Ihrer Teilnahme an Building Bridges, die Ihnen in Erinnerung geblieben ist oder Ihr Denken geprägt hat?
Persönlich war ich von meinem Austausch mit André Hoffmann im Rahmen meines Beitrags 2024 sehr beeindruckt. Durch kurzfristige Änderungen fand ich mich unerwartet auf der Hauptbühne wieder (die Session können Sie hier ansehen). Es war fantastisch. Holcim hatte zu Andrés Buch über Kreislaufwirtschaft beigetragen, daher fühlte sich die Zusammenarbeit mit ihm in diesem Rahmen wie eine natürliche Fortsetzung unserer bisherigen Kooperationen an. Es regte mich zum Nachdenken über die Rolle von Führung und Vision im ESG-Bereich an und darüber, wie Building Bridges die Voraussetzungen für einen konstruktiven, fundierten Dialog zwischen den Branchen schafft. Führung ist in diesem Bereich unerlässlich. Holcims CEO Miljan Gutovic ist maßgeblich an unserer Strategie beteiligt und stellt sicher, dass Nachhaltigkeit nicht nur moralisch geboten, sondern auch ein Motor für profitables Wachstum ist. Führung in diesem Wandel ist von größter Bedeutung, und ich bin stolz darauf, dass Holcim seit jeher eine Vorreiterrolle in den Bereichen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Naturschutz einnimmt. Es ist Teil unserer DNA und einer der vielen Gründe, warum sich Menschen für Holcim als Arbeitgeber entscheiden.
Der Übergang hängt letztlich sowohl von Kapital als auch von der Umsetzung ab. Wo sehen Sie die größten Chancen für eine Zusammenarbeit zwischen Branchenführern wie Holcim und dem Finanzsektor?
Die größten Chancen liegen in der Verknüpfung glaubwürdiger Transformationspfade mit finanzieller Unterstützung. Es ist wichtig, dass die Finanzwelt in der Lage ist, glaubwürdige Transformationspläne zu erkennen und diese zu fördern. Wir brauchen keine zusätzlichen Kontrollen, sondern Bereitschaft und Vertrauen, um bewährte Ansätze zu unterstützen. Die Märkte müssen zudem den Mut aufbringen, groß angelegte Dekarbonisierungsprojekte zu finanzieren, denn diese sind unerlässlich. Investoren können den Fortschritt stärken, indem sie Unternehmen unterstützen, die sich ambitionierte Ziele setzen, klare Pläne entwickeln und diese auch umsetzen. Es gibt noch viel Potenzial in der Transformationsfinanzierung, beispielsweise durch spezielle Transformationsfonds, und ich hoffe, dass wir in naher Zukunft mehr davon sehen werden.
Welche technologischen oder betrieblichen Entwicklungen sehen Sie als die treibende Kraft für die Dekarbonisierung in Ihrem Sektor?
Unsere Bemühungen konzentrieren sich auf drei zentrale Hebel: die Entwicklung innovativer, kohlenstoffarmer Rezepturen, die Optimierung unseres Energiemixes und den Einsatz fortschrittlicher Technologien wie CO₂-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung (CCUS). Im Bereich der Rezepturen erzielen wir solide Fortschritte beim Einsatz alternativer Rohstoffe und mineralischer Komponenten. Ein Schwerpunkt liegt auf der Skalierung des Einsatzes von kalziniertem Ton, der als Ersatz für Klinker in der Endproduktmischung verwendet werden kann. Im Energiebereich erhöhen wir kontinuierlich den Einsatz alternativer Brennstoffe aus der Rückgewinnung nicht recycelbarer Materialien. In Europa decken bereits mehr als ein Dutzend unserer Zementwerke über 80 % ihres Energiebedarfs mit alternativen Brennstoffen. Schließlich setzen wir auf fortschrittliche Technologien, für die Holcim Fördermittel aus dem EU-Innovationsfonds für acht Projekte erhalten hat. CCUS hat sich in anderen Branchen bereits bewährt. Der Fokus liegt nun auf dem großflächigen und kosteneffizienten Einsatz dieser Technologie in der Zement- und Baustoffindustrie. Dies wird in den nächsten zehn Jahren zu einer tiefgreifenden Dekarbonisierung führen. Wir benötigen weiterhin Arbeit an den Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Gewinnung über den Transport bis zur Lagerung – sowohl an Land als auch auf See – sowie die Nutzung umfassen. Jeder Schritt des Prozesses erfordert Abstimmung, Verantwortlichkeit und einen Ökosystemansatz, der durch öffentliche Mittel und private Investitionen unterstützt wird.
Sie sind heute von Zürich nach Genf gereist. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit der beiden Städte als sich ergänzende Finanzzentren mit starker industrieller Führung, um die Schweiz für den Wandel zu positionieren?
Zürich und Genf ergänzen sich ideal und positionieren die Schweiz an der Spitze des globalen Wandels. Zürich bringt seine unternehmerische und finanzielle Stärke ein, Genf seine internationale Reichweite und seine Branchennetzwerke. Gemeinsam bringen sie Investoren und Akteure der Realwirtschaft zusammen. Als Gründungsmitglied des WBCSD ist Holcim seit Langem Teil der Genfer Nachhaltigkeitslandschaft, und seit Beginn meiner Karriere im Bereich Nachhaltigkeit empfinde ich die Zusammenarbeit mit nichtfinanziellen Institutionen und Verbänden hier als selbstverständlich und unerlässlich. Unser Engagement reicht über Genf hinaus bis nach Vevey und zu langjährigen Partnerschaften mit Organisationen wie der IUCN. Die Zugfahrt bietet Zeit zum Nachdenken und Arbeiten, und es ist sehr angenehm, am selben Tag zurückzukehren und abends wieder zu Hause zu sein.
Wir bauen Brücken – Erzählreihe
Building Bridges ist mehr als nur eine Veranstaltung – es ist ein Raum für wertvolle Zusammenarbeit, neue Perspektiven und dauerhafte Verbindungen. In unserer Storytelling-Reihe beleuchten wir die persönlichen Erlebnisse, die jede Veranstaltung prägen. Wenn Sie eine Geschichte über Ihre Teilnahme an Building Bridges erzählen möchten – sei es eine wichtige Erkenntnis, ein unvergesslicher Moment oder die Wirkung der geknüpften Kontakte –, freuen wir uns, von Ihnen unter community@buildingbridges.org zu hören.