Das Spektrum an kollektiven Kapitalanlagen mit Nachhaltigkeitsstrategien hat sich in den letzten 20 Jahren vervielfacht. Mit der steigenden Anzahl nachhaltiger Fonds mehren sich jedoch auch die Vorwürfe des Greenwashings. Die Standardisierung von Nachhaltigkeitsleistungsberichten wird den Weg für mehr Transparenz ebnen.

Das21. Jahrhundert ist geprägt von der Nachhaltigkeitsdebatte. Heute steht Nachhaltigkeit für eine Reihe von Ansätzen, darunter der Ausschluss umstrittener Geschäftsmodelle und -praktiken, Dekarbonisierung, ESG-Integration sowie thematisches oder wirkungsorientiertes Investieren. Vor diesem Hintergrund und angesichts der Allgegenwärtigkeit des Nachhaltigkeitsbegriffs erscheint es plausibel, dass sich auch in der Investmentbranche interessenorientierte Nachhaltigkeitskonzepte entwickeln könnten. Besonderen Auftrieb erhielt das Thema durch den „EU-Aktionsplan“ der EU-Kommission im Jahr 2016. Dessen übergeordnetes Ziel ist es, Kapitalströme in Richtung nachhaltiger Investitionen umzulenken.

Viele fordern Transparenz

Der EU-Aktionsplan drängt auf die Umsetzung von insgesamt zehn Maßnahmen.[1] Drei dieser Maßnahmen beziehen sich direkt auf die Forderung nach mehr Transparenz: 1) Nachhaltigkeitsbenchmarks: Entwicklung von Transparenz hinsichtlich Methoden und Merkmalen; 2) Nachhaltigkeit bei institutionellen Anlegern/Vermögensverwaltern mit Verpflichtungen in Bezug auf Inklusion und Transparenz; 3) Transparenz für Unternehmen: Stärkung der Regeln für die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen und die Finanzberichterstattung (EU-Taxonomie).

Der Widerspruch: Eine deutliche Zunahme der Komplexität

Die EU-Taxonomie, die ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit unter den Marktteilnehmern gewährleisten soll, wird von vielen als bürokratisch betrachtet. Die USA, Großbritannien und China arbeiten an eigenen Taxonomien. Börsennotierte, international tätige Unternehmen müssen die Anforderungen jeder dieser Taxonomien erfüllen, um mittel- bis langfristig attraktiv für Investitionen zu bleiben.

Standardisierung ist ein Muss

Institutionelle Anleger müssen transparenter darlegen, wie ihre Produkte Kapital für nachhaltige Aktivitäten bereitstellen. Trotz zahlreicher Nachhaltigkeitsrahmen und Ratingagenturen wird echte Transparenz letztlich nur durch Standardisierung und die damit einhergehende Reduzierung der Komplexität möglich sein. Verbände wie die Asset Management Association Switzerland (AMAS) weisen ebenfalls auf einen gangbaren Weg der Selbstregulierung hin, um die Glaubwürdigkeit der Schweiz als nachhaltigen Finanzplatz zu stärken.

Wie man nachhaltigen Mehrwert erkennt

Die Schaffung von Transparenz bleibt angesichts der Vielzahl an Nachhaltigkeitsstrategien eine Herausforderung. Sind Schweizer Anleger ausreichend informiert, um den nachhaltigen Mehrwert im Bereich Nachhaltigkeit beurteilen zu können? Laut einer Studie der ETH Zürich aus dem Jahr 2021 mit über 3000 Schweizer Anlegern besteht in der Schweiz im Bereich „nachhaltige Finanzkompetenz“ noch Nachholbedarf.

Best Practice: Mit ihrer umfassenden Nachhaltigkeitsberichterstattung für alle nachhaltigen Fonds strebt die Vermögensverwaltung der Zürcher Kantonalbank nach Transparenz. Die detaillierte Dokumentation ihrer Abstimmungs- und Engagementaktivitäten kann zudem einen Maßstab für Transparenz in der Vermögensverwaltungsbranche setzen.

Das firmeneigene Swisscanto Sustainability Rating ermöglicht es Anlegern beispielsweise, auf einen Blick zu erkennen, wie nachhaltig ihre Investition ist: von A (hoch) bis G (niedrig). Staaten und Unternehmen werden anhand von vier Nachhaltigkeitsindikatoren bewertet: Kontroversen-Score, ESG-Score, Klima-Score und Impact-Score

Abbildung 1: Die Zürcher Kantonalbank hat ein eigenes Nachhaltigkeitsrating für die Fonds der Marke Swisscanto entwickelt, das Transparenz hinsichtlich der verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit bietet.

[1] Zehn Maßnahmen zur Umsetzung des EU-Aktionsplans:
Überblick über die Maßnahmen im Aktionsplan: Die Finanzierung nachhaltigen Wachstums durch die EU-Kommission (cric-online.org)

Gastbeitrag von Fabio Pellizzari, Leiter ESG-Strategie & Geschäftsentwicklung, Vermögensverwaltung der Zürcher Kantonalbank.