Building Bridges 2021: Das Pipeline Builder Panel beleuchtet Ghanas Potenzial
Die westafrikanische Republik Ghana verfolgt eine ambitionierte Agenda für nachhaltige Entwicklung. Diese umfasst Programme zur Beseitigung von Armut und Hunger, zum Ausbau der Sekundarschulbildung und der Gesundheitsversorgung sowie zur Bereitstellung von sauberem Wasser und menschenwürdigem Wohnraum für alle. Die Erreichung dieser Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) könnte jedoch Wunschdenken bleiben, wenn es der Regierung nicht gelingt, ausländische Investoren für die Finanzierung des Vorhabens zu gewinnen.
Ghana möchte die wachsende Nachfrage nach Anlagestrategien nutzen, die neben finanziellen Renditen auch soziale und ökologische Vorteile bieten. Nachhaltiges Investieren zählt zu den wichtigsten Trends im Finanzwesen, doch nur ein Bruchteil des Kapitals erreicht die Länder, die es am dringendsten benötigen. Die Erschließung von Kapital für Schwellen- und Entwicklungsländer ist zwar entscheidend für das Erreichen der Ziele für nachhaltige Entwicklung, doch zahlreiche Hindernisse behindern diese Finanzströme.
Auf der Liste steht vor allem eine übertriebene Risikowahrnehmung, sagte Xavier Pierluca, geschäftsführender Gesellschafter von Enabling Qapital, einer Schweizer Investmentfirma mit Fokus auf Schwellenländer.
„Generell wird das Risiko viel höher eingeschätzt als es tatsächlich ist“, sagte er. „In vielen Fällen ist es sogar weniger riskant, in ein KMU (kleines oder mittelständisches Unternehmen) in Ghana mit einem lokalen Anteilseigner zu investieren als in eine Anleihe oder eine börsennotierte Aktie an Ihrer Börse hier (in der Schweiz).“
Pierluca nahm an einer Podiumsdiskussion, die vom SDG Lab im Rahmen der Building Bridges Week 2021 in Genf organisiert wurde. Thema war, wie mehr Kapital in Schwellenländer gelenkt werden kann. Ein Großteil des Gesprächs drehte sich um Ghana, da das Land im Mittelpunkt eines Pilotprojekts von „ Pipeline Builder“– einer Initiative, die Investoren mit Investitionsmöglichkeiten in Schwellen- und Entwicklungsländern vernetzt.
Aufbau von SDG-Pipelines
Der Ende 2019 gestartete Pipeline Builder ist eine Partnerschaft zwischen dem SDG Lab und dem Ground Up Project, einem in der Schweiz ansässigen Beratungsunternehmen für Impact Finance. Der Pipeline Builder verfolgt zwei Ziele: Erstens soll er Investoren einen Fahrplan bieten, um die SDG-Prioritäten einzelner Länder in investierbare Möglichkeiten umzuwandeln, die mit den jeweiligen Entwicklungszielen der Länder übereinstimmen. Zweitens soll er Investoren effizienter Zugang zu realen, SDG-konformen Investitionsmöglichkeiten verschaffen. Mithilfe eines Netzwerks von Intermediären in Schwellenländern kann der Pipeline Builder auf globale Investitionsmöglichkeiten zugreifen. Dies ermöglicht es Investoren, diversifizierte Portfolios aus Direkt- und Fondsinvestitionen in Schwellenländern kostengünstiger und potenziell mit geringerem Risiko aufzubauen.
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion berichteten, dass Investoren oft abschalten und das Interesse verlieren, sobald das Gespräch auf einkommensschwache Länder kommt. Ein Grund dafür ist der Leistungsdruck, der Vermögensverwalter davon abhält, Kapital in Regionen anzulegen, in denen Investitionen tendenziell illiquide sind und kurzfristige Renditen unwahrscheinlich sind. Laut Pierluca mangelt es im Bereich nachhaltiger Finanzen zudem an Führung; Investoren folgen eher dem Mainstream, anstatt Risiken in unbekanntem Terrain einzugehen.
„Wir müssen diesen Herdentrieb nutzen“, sagte Agi Veres, stellvertretende Direktorin des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) für Europa und Zentralasien. „Wir brauchen eine erste Gruppe von Investoren, die diese Barriere überwinden.“
Die Diskussionsteilnehmer betonten die Notwendigkeit, Investoren über die Marktbedingungen in Entwicklungsländern aufzuklären. Das UNDP arbeitet daran, die nationalen Prioritäten der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in Investitionsleitfäden umzusetzen. Im April 2021 führte die Organisation eine Plattform ein, die Investoren Zugang zu den Marktanalysen bietet, die den Leitfäden zugrunde liegen. Ground Up nutzte dieses Tool, um im Zeitraum von September 2020 bis September 2021 Investitionen in kleine Unternehmen in Ghana im Wert von 55 Millionen US-Dollar zu identifizieren.